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Abitur nachholen - Der Weg zum beruflichen Aufstieg

Menschen entscheiden sich aus den unterschiedlichsten Situationen heraus dazu, das Abitur nachzuholen. Ob mit Hauptschulabschluss, Mittlerer Reife (Realschulabschluss) oder Berufsabschluss – dank der Vielfältigkeit des deutschen Bildungssystems haben alle die Möglichkeit, auf dem zweiten Bildungsweg ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern oder ein Studium aufzunehmen.

Wozu das Abitur nachholen?

Wenn Interessierte das Abitur nachholen wollen, um zu studieren, fallen oft die Begriffe „Hochschulreife“ und „Hochschulzugangsberechtigung“. Hiermit bezeichnet man den Beleg der Fähigkeit einer Person, an einer Hochschule zu studieren. Der Nachweis erfolgt durch Prüfungen über die allgemeine Hochschulreife (Abitur), die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife. Die Zugangsberechtigung kann durch die genannten Schulabschlüsse erworben werden, je nach Landesrecht aber auch durch andere Voraussetzungen. Studieninteressierte müssen also nicht zwingend ihr Abitur oder Fachabitur nachholen.

Aber nicht nur ein Hochschulstudium, sondern auch immer mehr Ausbildungsberufe erfordern die Hochschulreife. Hierzu gehören zum Beispiel:

  • alle Ausbildungen in der öffentlichen Verwaltung, die auf den nicht-technischen, gehobenen Dienst abzielen
  • Industrietechnologen/-innen
  • Verkehrsflugzeugführer/-innen
  • Betriebswirte/-innen

Zudem gibt es zahlreiche Berufe, für die das Abitur zwar rein rechtlich gesehen nicht Voraussetzung ist, in der Praxis aber von den Betrieben meist doch gefordert wird. Dies ist beispielsweise der Fall in den Berufsbildern Investmentfondskaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für audiovisuelle Medien, Luftverkehrskaufmann/-frau oder mathematisch-technische/r Softwareentwickler/in.

Welcher Abschluss für welches Ziel?

Nicht nur das Abitur kann an eine Hochschule oder in eine Ausbildung führen. Je nach angestrebtem Ziel kommen weitere Schulabschlüsse in Frage, die unter Umständen in kürzerer Zeit zu erreichen sind, als das Abitur.

Das Abitur

Das Abitur, auch allgemeine Hochschulreife genannt, ist der höchste deutsche Schulabschluss. Es ermöglicht das Studium an allen Hochschulen und in jedem beliebigen Fach. In welchem Bundesland das Abitur abgelegt wurde, ist für Bewerbungen um Studienplätze oder Ausbildungen in den allermeisten Fällen unerheblich. Bei manchen Studiengängen wird jedoch ein Großteil der Studienplätze nur bis zu einer bestimmten Abiturnote, dem Numerus Clausus (NC), vergeben.

Die Fachhochschulreife

Die Fachhochschulreife berechtigt zu einem Studium an einer Fachhochschule, unabhängig von der Fachrichtung. In einigen Bundesländern ist es außerdem möglich, hiermit vereinzelte Bachelor-Studiengänge an Universitäten zu belegen.

Die Fachhochschulreife nachholen können Schüler/innen über sehr unterschiedliche Wege, beispielsweise durch das Absolvieren der 11. (G8) bzw. 12. (G9) Klasse eines Gymnasiums oder den Besuch einer Fachober- oder Berufsoberschule. Die Fachhochschulreife umfasst einen berufspraktischen Teil, der entweder durch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein sechs bis zwölf Monate dauerndes Berufspraktikum erfüllt werden kann. In einigen Bundesländern gibt es zudem weitere Möglichkeiten, ein Fachhochschulstudium aufzunehmen.

In einer Fachoberschule entscheiden sich die Schüler/innen für eine Fachrichtung. Das Angebot variiert je nach Bundesland.

Fachrichtungen

Technik Gesundheit
Wirtschaft und Verwaltung Ernährung und Hauswirtschaft
Sozialwesen Gestaltung
Agrarwirtschaft Naturwissenschaften
Bio- und Umwelttechnologie Pflege und Gesundheit
Sozialpädagogik Seefahrt
Elektrotechnik Bautechnik

Teilweise wird die Fachhochschulreife auch als Fachabitur bezeichnet. Diese Bezeichnung ist irreführend, da sie teilweise auch für die fachgebundene Hochschulreife verwendet wird.

Fachgebundene Hochschulreife

Bei der fachgebundenen Hochschulreife (auch „Fachabitur“) handelt es sich ebenfalls um einen höheren Bildungsabschluss, der ein Studium ermöglicht. An Fachhochschulen ist mit dem Fachabitur jedes Studienfach möglich. Die Bezeichnung „fachgebunden“ bezieht sich auf UniversitätenDort sind nur Studienfächer möglich, die in die Fachrichtung des Schulabschlusses fallen.

Die fachgebundene Hochschulreife können Schüler/innen erwerben, indem sie eine Berufsoberschule, eine Fachakademie, eine Berufsfachschule, ein Berufskolleg, ein Studienkolleg oder ein berufliches bzw. Fachgymnasium besuchen. Können sie ausreichende Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache nachweisen, lässt sich die Hochschulreife mit Fachbindung in die allgemeine Hochschulreife verwandeln. Mehrere Bundesländer verleihen die fachgebundene Hochschulreife auch in Zusammenhang mit einer besonderen Berufsqualifikation.

Wo kann ich mein Abitur nachholen?

Es gibt viele Wege zum Abitur: Wer das Abitur nachmachen möchte, findet dafür über den zweiten Bildungsweg zahlreiche Möglichkeiten.

Abitur nachmachen an einer Abendschule

An Abendschulen, oder genauer: an Abendgymnasien, holen Schülerinnen und Schüler die Fachhochschulreife oder das Abitur nach. Es handelt sich um Präsenzunterricht mit etwa 20 Wochenstunden, die überwiegend abends und am Wochenende abgehalten werden. Die Zeiten sind fest vorgegeben und nicht flexibel. Um das Abendgymnasium besuchen zu können, müssen Interessierte je nach Bundesland unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen. Wer nicht mindestens den Realschulabschluss besitzt und Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache nachweisen kann, muss zusätzliche Vorkurse erfolgreich belegen. Schüler/innen an einem Abendgymnasium erfahren dort eine sehr gute Betreuung, müssen aber auch außerhalb des Unterrichts lernen, um sich adäquat auf die Abiturprüfung vorzubereiten.

 

Abitur nachholen per Fernstudium

Beim sogenannten Fernabitur erhalten Aufstiegswillige innerhalb eines Online- oder Fernkurses die notwendigen Studienunterlagen entweder in Form von Lernheften oder interaktiven Lerneinheiten zugestellt und lernen ausschließlich eigenständig, eventuell ergänzt um vom Anbieter unregelmäßig veranstaltete Seminare. Die Prüfung selbst findet vor Ort, ggf. als Schulexterne (s.u.), unter normalen Abiturbedingungen statt. Abgesehen von der Korrektur von Einsendeaufgaben und der Möglichkeit, schriftlich Fragen an Lehrer/innen zu stellen, gibt es beim Fernabitur keine nennenswerte Betreuung. Die Notwendigkeit einer starken Eigeninitiative ist dementsprechend besonders hoch. Die Vorteile des Fernabiturs sind dagegen die Möglichkeit des berufsbegleitenden Lernens und der flexiblen Dauer: Je höher der bestehende Schulabschluss und die Fremdsprachenkenntnisse sind, desto kürzer können die Fernkurse ausfallen. Das Abitur nachholen mit Fachhochschulreife geht demnach am schnellsten, aber auch bei Vorliegen anderer Abschlüsse kann es zeitliche Vorteile bringen, das Abitur an einer Fernschule nachzuholen. Grundsätzlich steht das Fernabitur allen offen, die mindestens die Hauptschule erfolgreich abgeschlossen haben.

Abitur nachholen per Volkshochschule

Volkshochschulen (VHS) sind gemeinnützige Einrichtungen, die neben einem breiten Weiterbildungsangebot auch Kurse zur Erlangung von Abitur und Fachhochschulreife anbieten. Wie an einem Abendgymnasium kann hier die Vorbereitung auf das Abitur parallel zur einer Berufstätigkeit stattfinden. Komplette Kurse für die Vorbereitung auf die Externenabiturprüfung (s.u.) bieten nur wenige Volkshochschulen in bestimmten Ländern, in denen es keine Abendgymnasien gibt, z. B. Thüringen. Die Aufnahmevoraussetzungen variieren ebenso wie die konkrete Ausgestaltung des Unterrichts je nach VHS. In der Regel stellt sich die Betreuungssituation wie eine Mischung aus Fernschule und Abendgymnasium dar: Der gut betreute Unterricht wird durch einen hohen Anteil Selbststudium ergänzt.

Bei der Fachoberschule handelt es sich um eine Einrichtung mit voller Betreuung, an der Schüler/innen innerhalb von zwei Jahren in Vollzeit ihre Fachhochschulreife nachmachen können. Zugangsvoraussetzung ist die Mittlere Reife, je nach Bundesland mit eine

Bei der Fachoberschule handelt es sich um eine Einrichtung mit voller Betreuung, an der Schüler/innen innerhalb von zwei Jahren in Vollzeit ihre Fachhochschulreife nachmachenkönnen. Zugangsvoraussetzung ist die Mittlere Reife, je nach Bundesland mit einem Notenschnitt von 3,5 oder besser. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann die Schulzeit abhängig vom Land auf ein Jahr verkürzt werden. Das Abitur erst nach einer Ausbildung nachzuholen ist damit nicht nur möglich, sondern auch durchaus sinnvoll. Teilweise können Schülerinnen und Schüler auch eine optionale Klassenstufe 13 anhängen und so die allgemeine Hochschulreife nachholen. In Anspruch genommen wird das Angebot überwiegend von Schülern/innen mit mittlerem Bildungsabschluss, die so das Abitur nachholen.

Kolleg

An einem Kolleg können Interessierte ebenfalls das Abitur nachholen. Es ist als Schule in Vollzeit konzipiert und daher nicht parallel zum Beruf machbar. Die Schülerinnen und Schüler erlangen hier ab etwa einem Jahr die Fachhochschulreife und nach der vollen Beschulungsdauer von etwa drei Jahren das Abitur. Voraussetzung für die Teilnahme an einem Kolleg ist eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. eine mindestens zweijährige Berufstätigkeit, die Mittlere Reife und die Vollendung des 19. Lebensjahrs.

Nichtschülerprüfung

Die Nichtschülerprüfung wird auch als externes Abitur, Abiturprüfung für Nichtschülerinnen und Nichtschüler oder als Schulfremdenabiturprüfung bezeichnet. Sie wird für Interessierte angeboten, die das Abitur ablegen möchten, ohne zuvor die betreffende Schule zu besuchen. Die Prüflinge bereiten sich im Selbststudium, per Fernlehrgang oder auch über eine Volkshochschule auf die Prüfung vor und nehmen dann an der regulären Abiturprüfung der Schule teil. Für die Prüfungszulassung müssen sie nachweisen, dass sie sich im Vorfeld ordnungsgemäß vorbereitet haben – wie es die regulären Schülerinnen und Schüler ebenfalls durch die Abiturzulassung tun. Indem sie sich als Schulexterne prüfen lassen, können Interessierte die Fachhochschulreife ebenso ablegen wie das Abitur.

Wie kann ich mein Abitur nachholen?

Wer das Abi nachholen möchte, sollte sich im Vorfeld zunächst mit den allgemeinen Voraussetzungen auseinandersetzen:

Allgemeine Voraussetzungen, um das Abitur nachzuholen

Die zwingenden Abitur Voraussetzungen variieren mit dem Weg, für den sich die Interessierten entscheiden. Mindestvoraussetzung ist die Erfüllung der regulären Schulpflicht, oft wird der Hauptschul- oder Realschulabschluss vorausgesetzt. Außerdem dürfen Interessierte noch nicht mehr als einen Versuch hinter sich haben, das Abitur abzulegen, denn es kann nur einmal wiederholt werden. Die Zulassung zur Nichtschülerabiturprüfung beantragen sie bei der durch das Kultusministerium bestimmten Behörde, die je nach Bundesland eine andere ist.

Der Zeitraum, den Aufstiegswillige einplanen müssen, wenn sie das Abitur nachholen wollen, hängt mit der gewählten Schulform und den vorhandenen Kenntnissen zusammen. Grundsätzlich ist etwa mit folgenden Zeiträumen zu rechnen:

  • Abendschule: zwei oder drei Jahre (je nach Schulabschluss und Fremdsprachkenntnissen)
  • Online-/Fernkurse: durchschnittlich 30 Monate (bei vorliegender Mittlerer Reife) bis 42 Monate (mit Hauptschulabschluss)
  • Volkshochschule: unterschiedlich, ca. 3 bis 4 Jahre
  • Fachoberschule: 1 Jahr bis 3 Jahre (je nach Vorliegen einer Berufsausbildung und/oder von Berufspraxis)
  • Kolleg: 3 Jahre

Immer wieder wird gefragt, ob es möglich ist, das Abitur in einem Jahr oder sogar in einem noch kürzeren Zeitraum nachzuholen. Grundsätzlich machbar könnte dies für Schüler/innen sein, die im Vorfeld bereits einmal die Oberstufe absolviert haben und in den Abiturprüfungen gescheitert sind oder die bereits die Fachhochschulreife erlangt haben. Diese können die jeweils 13. Jahrgangsstufe an einer Fachober- oder Berufsschule belegen und so binnen eines Jahres das Abitur nachholen, ggf. mit Nachhilfe in den vormals kritischen Fächern. Auch bei Fernlehrgängen können die Teilnehmer/innen die Geschwindigkeit ihres Lernfortschritts bestimmen. Den gesamten Lehrstoff innerhalb eines Jahres durchzuarbeiten ist jedoch ein Vollzeitjob, der unmöglich nebenberuflich erledigt werden kann.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Wenn man einen Schulabschluss nachholen möchte, ist dies naturgemäß mit Kosten verbunden. Selbst bei einer kostenfreien Form der Abivorbereitung (z. B. das Abendgymnasium) kommen Kosten auf die Schüler/innen zu, beispielsweise für Schreib- und Schulmaterial, Lehrbücher, Fahrtkosten, Verpflegung usw. Noch härter trifft es Schüler/innen, die sich für eine kostenpflichtige Version der Prüfungsvorbereitung entscheiden. Je nach Methode bezahlen sie dann zusätzlich monatlich, quartals- oder semesterweise Teilnahmegebühren.

Karrieremöglichkeiten ohne Abitur

Das Abitur öffnet Lernbegeisterten viele Wege in die große Welt der Weiterbildung und Karriere. Ist es aber gerade nicht möglich, das Abi nachzuholen, gibt es dennoch Ziele, die erreicht werden können. Berufstätige können die Hochschulzugangsberechtigung mitunter durch ihre berufliche Qualifikation erwerben, beispielsweise durch eine Meisterprüfung oder eine Berufserfahrung mit besonderer fachlicher Nähe zum Studienfach. So können sie ohne Abitur studieren. Zahlreiche Hochschulen bieten diese Möglichkeit inzwischen an, beispielsweise die DIPLOMA.

Alternativ können sie eine Aufstiegs- oder Fachweiterbildung anstreben, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Abgesehen von den genannten Ausbildungsberufen, für die das Abitur zwingend notwendig ist, gibt es außerdem eine Vielzahl von Berufen, die man auch ohne allgemeine Hochschulreife erlernen und damit eine sehr gute Basis für das spätere Berufsleben legen kann.

Ratgeber zum Abitur nachholen

Abischnitt berechnen - Abiturrechner

Zwei Prüfungsjahre lang quälen sich Schülerinnen und Schüler durch Klausuren, Projekte, Abiturklausuren und mündliche Prüfungen. Das Resultat ist das Abitur. Im Detail kommt es jedoch auf den Abiturschnitt an. Dieser ist häufig maßgebend bei der Vergabe von Studienplätzen und ein (gutes oder schlechtes) Aushängeschild für Bewerbungen. Doch wie wird der Abiturdurchschnitt, also die Abinote, eigentlich berechnet?

Abitur nachholen: Kosten

Schülerinnen und Schüler, die ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen möchten, haben unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten. Sie können zum Beispiel BAföG in Anspruch nehmen oder einen Studienkredit aufnehmen. Je nach dem sind auch Stipendien oder Bildungsgutscheine möglich, sofern die Studierenden die entsprechenden Voraussetzungen dafür erfüllen.

Wie lange dauert es, das Abitur nachzuholen?

Üblicherweise dauert das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg drei Jahre und setzt sich aus einer einjährigen Einführungsphase sowie der zweijährigen Qualifikationsphase zusammen. Möglich ist das für Absolventinnen und Absolventen der Realschule sowie der Fachoberschule. Wer sein Abitur mit einem Hauptschulabschluss nachholen möchte, muss in der Regel noch einen Vorkurs besuchen, der meist ein Jahr dauert.

Abitur und alternative Schulabschlüsse

In Deutschland gibt es neben dem Abitur eine Reihe an alternativen Schulabschlüssen. Schülerinnen und Schüler können das Abitur und auch die anderen Abschlüsse auf unterschiedliche Weisen erhalten. Was viele nicht wissen: Auch ohne das Abitur ist ein Studium innerhalb der Bundesrepublik möglich.

Ausbildung oder Studium?

Das Abitur markiert das (vorläufige) Ende der schulischen Ausbildung. Nicht umsonst heißt es auch Hochschulreife, denn dieser Abschluss berechtigt zu einem Studium an einer Hochschule. Viele Abiturientinnen und Abiturienten schlagen diesen Weg ein. Andere möchten jedoch lieber eine Berufsausbildung beginnen, um zunächst einen Beruf zu erlernen.