Abitur und alternative Schulabschlüsse in Deutschland

In Deutschland gibt es neben dem Abitur eine Reihe an alternativen Schulabschlüssen. Schülerinnen und Schüler können das Abitur und auch die anderen Abschlüsse auf unterschiedliche Weisen erhalten. Was viele nicht wissen: Auch ohne das Abitur ist ein Studium innerhalb der Bundesrepublik möglich.

Welche Schulabschlüsse gibt es?

Es gibt unzählige Abschlüsse, die Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen können. In der Regel sind jedoch sechs Schulabschlüsse möglich, die im Folgenden näher beleuchtet werden.

Abitur (allgemein)

Die allgemeine Hochschulreife, auch Abitur genannt, können Schülerinnen und Schüler auf dem Gymnasium, der Gesamtschule, dem beruflichen Gymnasium sowie auf dem zweiten Bildungsweg anstreben. Auch innerhalb einer Schulfremdenprüfung ist das allgemeine Abitur machbar. Es handelt sich hierbei um den höchsten Schulabschluss in Deutschland, der zum Studieren an allen deutschen Universitäten sowie sonstigen Hochschulen befähigt. Schülerinnen und Schüler müssen für das Abitur mindestens zwölf oder dreizehn Jahre zur Schule gehen.

Fachgebundene Hochschulreife

Bei der fachgebundenen Hochschulreife handelt es sich um einen Schulabschluss, der zum Studieren bestimmter Fachrichtungen an Universitäten und Hochschulen berechtigt. Die gymnasialen Oberstufen, Berufsoberschulen und Fachakademien sowie Berufsfachschulen, Gesamtschulen, Berufs- und Studienkollegs können die fachgebundene Hochschulreife ausstellen. Schülerinnen und Schüler erreichen diesen Abschluss in der Regel nach mindestens zwölf Schuljahren.

Fachhochschulreife

Schülerinnen und Schüler können die Fachhochschulreife an verschiedenen Bildungseinrichtungen erwerben, wie zum Beispiel an Berufskollegs sowie an Gymnasien in bestimmten Bundesländern. Hinzu kommen die Fach- oder Berufsoberschule sowie die Berufsfachschule. In der Regel müssen die Schülerinnen und Schüler zwölf Schuljahre erfolgreich absolvieren, ehe sie die Fachhochschulreife erhalten. Mit diesem Schulabschluss sind sie zum Studium an Fachhochschulen berechtigt, müssen sich dabei jedoch nicht auf ein Fach beschränken, wie es bei der fachgebundenen Hochschulreife der Fall ist.

Mittlerer Bildungsabschluss

Der mittlere Bildungsabschluss hat unterschiedliche Namen in den einzelnen Bundesländern und wird unter anderem auch Realschulabschluss, Fachoberschulreife oder mittlere Reife genannt. In der Regel erreichen Schülerinnen und Schüler ihren mittleren Bildungsabschluss nach zehn Schuljahren, an Wirtschaftsschulen nach elf Schuljahren. Meistens besuchen die Schülerinnen und Schüler zuvor eine Realschule, doch je nach Bundesland ist der mittlere Bildungsabschluss auch an einer Gesamtschule, am Gymnasium, der Berufsschule oder einer Hauptschule möglich.

Hauptschulabschluss

Beim Hauptschulabschluss handelt es sich in Deutschland um den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss. Um den Abschluss zu erlangen, besuchen die Schülerinnen und Schüler die Haupt- oder Gesamtschule für wenigstens neun Schuljahre. In Nordrhein-Westfalen erhalten die Hauptschülerinnen und -schüler nach der zehnten Klasse außerdem einen Hauptschulabschluss des Typs 10 A. Einige Bundesländer bieten den Hauptschulabschluss zudem nach der Versetzung von der neunten in die zehnte Klasse einer Realschule beziehungsweise eines Gymnasiums an. Der Abschluss befähigt zum Beginn einer Ausbildung. Sieben Bundesländer ermöglichen zudem einen erweiterten Hauptschulabschluss beziehungsweise die erweiterte Bildungsreife.

Qualifizierender Hauptschulabschluss

In den Bundesländern Bayern, Hessen und Sachsen sowie in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Schleswig-Holstein können Schülerinnen und Schüler einer Hauptschule einen qualifizierenden Hauptschulabschluss erwerben. Das ist nach der neunten Klasse möglich und bietet auch Realschülerinnen und -schülern sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Chance, ihre Leistungen unter Beweis zu stellen. Mit diesem Abschluss haben die Absolventinnen und Absolventen bessere Jobchancen.

Das Abitur in Deutschland

In Deutschland ist das Abitur nicht einheitlich geregelt, da es Ländersache ist. Ab 2017 soll sich das ändern, denn ab dann sollen sich zumindest die Prüfungsanforderungen in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik gleichen. Welche Voraussetzungen die Schülerinnen und Schüler für das Abitur erfüllen müssen, welche Fächer geprüft werden und wie die Prüfung selbst abläuft, erläutert der nachfolgende Text.

Voraussetzungen zum Abitur

Schülerinnen und Schüler, die zum Abitur zugelassen werden wollen, müssen einen bestimmten Mindestnotendurchschnitt beziehungsweise eine Mindestpunkteanzahl erfüllen. Das haben alle Bundesländer gemeinsam, wenngleich sich der Durchschnitt und auch die einzelnen Zulassungskriterien von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Grundsätzlich sollten die Schülerinnen und Schüler wenigstens 180 Punkte erzielen, alle Prüfungsfächer innerhalb der Qualifikationsphase besucht haben und die richtige Fächerkombination laut Prüfungsordnung gewählt haben. Wichtig ist zudem, dass die Prüfungsfächer auch innerhalb der Einführungsphase belegt worden sind. Ist das nicht der Fall, können die Schülerinnen und Schüler das unter bestimmten Umständen durch andere berufliche und schulische Kenntnisse ausgleichen.

Abitur-Fächer

Auch bei den Abitur-Fächern unterscheiden die Bundesländer, was Pflicht ist. In der Regel zählen Deutsch und Mathematik sowie mindestens eine Fremdsprache zu den Pflichtfächern. Hinzu kommt außerdem eine Naturwissenschaft. Die Schulen prüfen das Wissen vor allem in den Leistungskursen, welche sich die Schülerinnen und Schüler selbständig aussuchen. Dabei müssen die Abiturientinnen und Abiturienten meist mindestens eine Fremdsprache, eine Naturwissenschaft oder Mathematik wählen.

Welche Kurse die Schülerinnen und Schüler bis zum Abschluss belegen müssen, ist ebenfalls unterschiedlich. In der Regel sind die Grund- und Leistungskurse nicht ausreichend, sondern finden häufig um die Pflichtfächer Sport, Geschichte, Religion und Politik Ergänzung.

Abitur-Prüfung

Die Abitur-Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Im schriftlichen Teil finden meist drei bis vier Prüfungen statt, und zwar innerhalb der beiden Leistungskurse sowie in einem oder zwei Grundkursen. Pro Fach haben die Schülerinnen und Schüler vier Stunden Zeit. Die mündliche Prüfung besteht aus einer 30-minütigen Vorbereitungszeit und einer anschließenden rund 20-minütigen Präsentation samt Fragen. Um die Abiturprüfung zu bestehen, sind wenigstens 100 Punkte erforderlich.

Obwohl sich die Abituranforderungen in den Bundesländern stark unterscheiden, müssen die Abiturientinnen und Abiturienten in der Regel mindesten einen Kurs in einem sprachlich-künstlerischen, in einem gesellschaftswissenschaftlichen sowie in einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Fach belegen. Hieraus ergeben sich dann auch die möglichen Fächerkombinationen, für die es jedoch in jedem Bundesland andere Regelungen gibt.

Wer die Abiturnote verbessern möchte, kann nach der Notenbekanntgabe einen Antrag auf eine freiwillige Zusatzprüfung stellen. In dieser mündlichen Prüfung können Schülerinnen und Schüler ihre Note verbessern, wenn sie beispielsweise zwischen zwei Noten stehen. Es ist sinnvoll, hier Rücksprache mit den Lehrerinnen und Lehrern zu halten, da eine solche Zusatzprüfung nicht in jedem Fall die Note verbessert.

Das Abitur wiederholen

Das Abitur gilt bei unzureichenden Leistungen, bei der Nichtzulassung, beim Rücktritt, der Nichtteilnahme oder einer Täuschungshandlung als nicht bestanden. Hat eine Schülerin oder ein Schüler das Abitur aus einer der zuvor genannten Gründe nicht bestanden, kann sie oder er es wiederholen. Das ist genau einmal möglich. Wer die Abiturprüfung wiederholen möchte, muss auch die letzten beiden Schulhalbjahre aus der Qualifikationsphase wiederholen. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler die Jahrgangsstufe 13 noch einmal besuchen und im Anschluss ihr Abitur erneut schreiben.

Studieren ohne Abitur

Studieninteressentinnen und -interessenten können in Deutschland auch ohne Abitur studieren. Es gibt hierfür jedoch keine bundesweiten Regelungen, weshalb sich die Interessentinnen und Interessenten genauestens informieren sollten.

Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte

Beruflich Qualifizierte können einen Hochschulzugang erhalten, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das hängt jedoch vom jeweiligen Bundesland ab. In der Regel gilt aber, dass insbesondere Inhaber einer beruflichen Aufstiegsfortbildung eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erhalten, Personen mit langjähriger Berufserfahrung eine fachgebundene.

Fachgebundener Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte

Um einen fachgebundenen Hochschulzugang zu erhalten, müssen die beruflich Qualifizierten über eine abgeschlossene und mindestens zweijährige Ausbildung verfügen. Hinzu kommt, dass sie wenigstens drei Jahre Berufserfahrung vorweisen müssen. In den meisten Bundesländern gibt es zudem ein sogenanntes Eignungsfeststellungsverfahren, welches den Wissensstand abfragt. Es handelt sich in diesem Fall um einen fachgebundenen Hochschulzugang, weil der Studiengang zum ausgeübten Beruf passen muss. Ob dies gegeben ist, entscheidet die jeweilige Hochschule.

Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung für Inhaber beruflicher Aufstiegsfortbildungen

Wer als beruflich Qualifizierte beziehungsweise als beruflich Qualifizierter die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung haben möchte, der muss Inhaberin oder Inhaber einer beruflichen Aufstiegsfortbildung sein. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Studieninteressentinnen und -interessenten ihre Meisterprüfung erfolgreich absolviert haben oder als IHK-Fachwirtin beziehungsweise als IHK-Fachwirt tätig sind. Gleiches gilt unter anderem auch für staatlich geprüfte Technikerinnen und Techniker, Betriebswirtinnen und Betriebswirte sowie Erzieherinnen und Erzieher. Auch Lehrkräfte im Bereich der Pflege und Pflegedienstleisterinnen und -dienstleister fallen hierunter.

Wie auch bei der fachgebundenen Hochschulzugangsberechtigung kommt es hier ebenfalls auf die Regelungen des jeweiligen Bundeslands an. In den meisten Fällen ist ein Studium für die Inhaberinnen und Inhaber der beruflichen Aufstiegsfortbildung jedoch an den meisten deutschen Universitäten und Hochschulen möglich – und zwar fächerunabhängig.

Berufliche Qualifikation und Aufnahmeprüfung

Einige Hochschulen lassen beruflich Qualifizierte zu, sofern diese die Voraussetzungen erfüllen, und unterziehen Studieninteressentinnen und -interessenten einer Aufnahmeprüfung. Diese besteht meist aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil sowie einem Beratungsgespräch. Meist werden neben den Fächern Deutsch und Englisch auch fachspezifische Kenntnisse abgefragt. Mit dem Bestehen der Aufnahmeprüfung können Interessentinnen und Interessenten an vielen Hochschulen auch ohne Abitur an einem fachgebundenen Studium teilnehmen.

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