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Abitur nachholen

Abitur nachholen - Der Weg zum beruflichen Aufstieg

Menschen entscheiden sich aus den unterschiedlichsten Situationen heraus dazu, das Abitur nachzuholen. Ob Hauptschulabschluss, Mittlere Reife oder Berufsabschluss – dank der vielfältigen Wege des deutschen Bildungssystems hat jeder die Möglichkeit das Abitur nachzuholen und so seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern oder ein Studium aufzunehmen.

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Abitur per Fernstudium oder Abendschule nachholen

Das Abitur

Das Abitur, auch allgemeine Hochschulreife genannt, ist der höchste deutsche Schulabschluss. Es ermöglicht das Studium an allen Hochschulen und in jedem beliebigen Fach. Dank des Zentralabiturs schreiben die Schüler/innen seit einigen Jahren in 15 der 16 Bundesländer dieselbe Prüfung und erwerben einen bundesweit gleichwertigen Abschluss.

Die Fachhochschulreife

Die Fachhochschulreife können die Schüler/innen über sehr unterschiedliche Wege erreichen, beispielsweise durch den Abschluss der 11. (G8) bzw. 12. (G9) Klasse eines Gymnasiums sowie den Besuch einer Fachober- oder Berufsoberschule. Die Fachhochschulreife umfasst einen berufspraktischen Teil, der entweder durch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein sechs bis zwölf Monate dauerndes Berufspraktikum erfüllt werden kann. Die Bundesländer bieten teilweise abweichende Methoden, um die Fachhochschulreife zu erreichen.

Beim Besuch einer Fachoberschule entscheiden sich die Schüler/innen für eine Fachrichtung. Das Angebot variiert je nach Bundesland, z. B:

 

Fachrichtungen im Abitur

Technik Gesundheit
Wirtschaft und Verwaltung Ernährung und Hauswirtschaft
Sozialwesen Gestaltung
Agrarwirtschaft Naturwissenschaften
Bio- und Umwelttechnologie Pflege und Gesundheit
Sozialpädagogik Seefahrt
Elektrotechnik Bautechnik

Die Fachhochschulreife berechtigt zu einem Studium an einer Fachhochschule, unabhängig vom Studienfach. In einigen Bundesländern ist es außerdem möglich, mit der Fachhochschulreife vereinzelte Bachelor-Studiengänge an Universitäten zu belegen.

Teilweise wird die Fachhochschulreife auch als Fachabitur bezeichnet. Diese Bezeichnung ist allerdings irreführend, da sie teilweise auch für die fachgebundene Hochschulreife verwendet wird.

Fachgebundene Hochschulreife

Bei der fachgebundenen Hochschulreife (auch „Fachabitur“) handelt es sich ebenfalls um einen höheren Bildungsabschluss, der ein Studium ermöglicht. Die Bezeichnung „fachgebunden“ zeigt jedoch bereits ihren Charakter: An Universitäten kann mit diesem Abschluss zwar studiert werden, allerdings nur in einschlägigen, auf das jeweilige Fach bezogenen Studienrichtungen. An Fachhochschulen bietet sich hingegen das volle Studienangebot.

Die fachgebundene Hochschulreife können Schüler/innen erwerben, indem sie eine Berufsoberschule, eine Fachakademie, eine Berufsfachschule, ein Berufskolleg, ein Studienkolleg oder ein berufliches bzw. Fachgymnasium besuchen. Können sie ausreichende Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache nachweisen, lässt sich die fachgebundene in die allgemeine Hochschulreife verwandeln. Mehrere Bundesländer verleihen die fachgebundene Hochschulreife allerdings auch in Zusammenhang mit in besonderen Berufsqualifikation.

Wo kann ich mein Abitur nachholen?

Wer das Abitur nachmachen möchte, findet dafür über den zweiten Bildungsweg zahlreiche Möglichkeiten:

Abitur nachholen an einer Abendschule

An der Abendschule oder genauer gesagt am Abendgymnasium holen die Schüler/innen die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife nach. Es handelt sich um Präsenzunterricht mit etwa 20 Wochenstunden, die überwiegend abends und am Wochenende abgehalten werden. Die Zeiten sind dabei fest vorgegeben und nicht flexibel gestaltbar. Um die Abendschule besuchen zu können, müssen Interessierte je nach Bundesland unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen. Mindestanforderung ist aber stets die Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht. Wer nicht mindestens die Mittlere Reife besitzt und Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache nachweisen kann, muss gewöhnlich zusätzliche Vorkurse absolvieren. Die Schüler/innen erfahren eine sehr gute Betreuung, müssen aber natürlich auch außerhalb des Unterrichts lernen, um sich adäquat auf die Abiturprüfung vorzubereiten.

Abitur nachholen per Online-/Fernkurse

Bei einem Online- oder Fernkurs erhalten Sie die notwendigen Studienunterlagen entweder in Form von Lernheften oder interaktiven Lerneinheiten zugestellt und lernen ausschließlich im Selbststudium, eventuell ergänzt um vom Anbieter unregelmäßig veranstaltete Seminare. Abgesehen von der Korrektur von Einsendeaufgaben und der Möglichkeit, schriftlich Fragen an seine Lehrer/innen zu stellen, gibt es beim Fernabitur keine nennenswerte Betreuung. Der Grad der Eigeninitiative ist dementsprechend besonders hoch. Grundsätzlich steht das Angebot jedem offen, der über einen Hauptschulabschluss verfügt. Je besser der bestehende Schulabschluss und die Fremdsprachenkenntnisse sind, desto stärker verkürzt sich die Regelstudienzeit. Über einen Fernlehrgang können die Schüler/innen die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife erwerben.

Abitur nachholen an einer Volkshochschule

Volkshochschulen sind gemeinnützige Einrichtungen, die neben einem breiten Weiterbildungsangebot auch Kurse zur Erlangung von Abitur und Fachhochschulreife anbieten. Komplette Kurse für die Vorbereitung auf die Externenabiturprüfung bieten nur wenige Volkshochschulen in bestimmten Bundesländern, z. B. in Thüringen, wo es keine Abendgymnasien gibt. Die Aufnahmevoraussetzungen variieren ebenso wie die konkrete Ausgestaltung in der Praxis je nach Volkshochschule. In Anspruch genommen wird das Angebot tendenziell am ehesten von Berufstätigen. Bei Volkshochschulen ist gewöhnlich der betreute Unterricht mit einem nicht zu verachtenden Anteil des Selbststudiums verknüpft.

Abitur nachholen an einer Fachoberschule

Bei der Fachoberschule handelt es sich um eine zweijährige Vollzeitschule mit voller Betreuung, an dem die Schüler/innen die Fachoberschulreife in zwei Jahren nachmachen können. Zugangsvoraussetzung ist die Mittlere Reife, je nach Bundesland mit einem Notenschnitt von 3,5 oder besser. Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann die Ausbildung abhängig vom Bundesland auf ein Jahr verkürzt werden. Teilweise besteht auch die Möglichkeit, eine optionale Klassenstufe 13 anzuhängen und so die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. In Anspruch genommen wird das Angebot überwiegend von Schülern/innen mit mittlerem Bildungsabschluss, die so das Abitur nachholen.

Abitur nachholen an einem Kolleg

Das Kolleg ist ebenfalls eine Möglichkeit, das Abi nachzuholen. Es ist als Vollzeitschule konzipiert und daher nicht parallel zu einer Berufstätigkeit machbar. Die Schüler/Schülerinnen erlangen hier ab etwa einem Jahr die Fachhochschulreife und nach der vollen Beschulungsdauer von etwa drei Jahren die allgemeine Hochschulreife. Voraussetzung für die Teilnahme an einem Kolleg ist eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. eine mindestens zweijährige Berufstätigkeit, die Mittlere Reife und die Vollendung des 19. Lebensjahrs.

Abitur nachholen durch eine Nichtschülerprüfung

Die Nichtschülerprüfung wird auch als Externen(abitur)prüfung, Abiturprüfung für Nichtschülerinnen und Nichtschüler oder als Schulfremdenabiturprüfung bezeichnet. Sie wird für Schüler/innen angeboten, die die Abiturprüfung ablegen möchten, ohne zuvor eine Schule zu besuchen. Die Schüler/innen bereiten sich im Selbststudium, per Fernlehrgang oder auch über eine Volkshochschule auf die Prüfung vor. Für die Zulassung zur Prüfung müssen sie nachweisen, dass sie sich im Vorfeld ordnungsgemäß vorbereitet haben. Über die Nichtschülerprüfung können Schüler/Schülerinnen die Fachhochschulreife ebenso ablegen wie die allgemeine Hochschulreife.

Wie kann ich mein Abitur nachholen?

Wer das Abi nachholen möchte, sollte sich im Vorfeld zunächst mit den allgemeinen Voraussetzungen auseinander setzen:

Allgemeine Voraussetzungen um das Abitur nachzuholen

Die zwingenden Voraussetzungen variieren je nachdem, für welche Variante sich die Schüler/innen entscheiden. Mindestvoraussetzung ist die Erfüllung der regulären Schulpflicht, oft wird der Hauptschul- oder Realschulabschluss vorausgesetzt. Voraussetzung ist außerdem, dass die Schüler/innen noch nicht mehr als einen Versuch, das Abitur abzulegen, hinter sich haben, denn es kann nur einmal wiederholt werden. Die Zulassung zur Nichtschülerabiturprüfung beantragen sie bei der durch das Kultusministerium bestimmten Behörde, die je nach Bundesland variiert.

Wie lange es tatsächlich dauert, das Abitur nachzuholen, hängt mit der gewählten Schulform und den bestehenden Vorkenntnissen zusammen. Grundsätzlich ist etwa mit folgenden Zeiträumen zu rechnen:

  • Abendschule: zwei oder drei Jahre (je nach Schulabschluss und Fremdsprachkenntnissen)
  • Online-/Fernkurse: durchschnittlich 30 Monate (aktuelle Mittlere Reife) bis 42 Monate (mit Hauptschulabschluss)
  • Volkshochschule: unterschiedlich, ca. 3 bis 4 Jahre
  • Fachoberschule: 1 Jahr (mit Berufsausbildung) bis 2 Jahre (ohne Berufsausbildung und Berufspraxis)
  • Kolleg: 3 Jahre

Immer wieder wird gefragt, ob es möglich ist, das Abitur in einem Jahr oder sogar in einem noch kürzeren Zeitraum nachzuholen. Grundsätzlich machbar könnte dies für Schüler/innen sein, die im Vorfeld bereits einmal die Oberstufe absolviert haben und in den Abiturprüfungen gescheitert sind oder die bereits die Fachhochschulreife erlangt haben. Für sie speziell bietet sich die Möglichkeit, die jeweils 13. Jahrgangsstufe an einer Berufs- oder Fachoberschule zu belegen und so binnen eines Jahres die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Auch bei Fernlehrgängen können die Teilnehmer/innen die Geschwindigkeit ihres Lernfortschritts bestimmen. Den gesamten Lehrstoff innerhalb eines Jahres durchzuarbeiten sowie alle notwendigen Seminare zu besuchen, ist ein Vollzeitjob, der unmöglich nebenberuflich erledigt werden kann.

Abitur nachholen mit Vorkenntnissen

Wenn Interessierte bereits über einen Schulabschluss oder auch eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, kann dies zu einer Verkürzung der Lernphase bis zur Abiturprüfung führen. Dabei kommt es stark darauf an, um welchen Abschluss es sich handelt:

  • Hauptschulabschluss: Der Hauptschulabschluss bringt keine Verkürzung in Hinblick auf die gesamte Dauer bis zum Abitur. Tatsächlich werden Schüler/innen mit Hauptschulabschluss regelmäßig viel Zeit einplanen müssen, da sie beim Fernlehrgang ebenso wie bei der Abendschule und am Kolleg mit zusätzlichen Semestern rechnen müssen, um die Defizite aufzuarbeiten.
  • Mittlere Reife: Die Fachoberschule und das Kolleg sind nur mit Mittlerer Reife zugänglich. Bei Fernlehrgangsanbietern wird noch einmal unterschieden, wie lange der Abschluss zurückliegt. Liegt er maximal fünf Jahre zurück, ist die Studiendauer um sechs Monate verkürzt gegenüber Teilnehmern/innen, die ihren Realschulabschluss vor mehr als fünf Jahren absolviert haben. Auch bei der Abendschule bringt die Mittlere Reife einen Vorteil – gegenüber Hauptschülern/innen gewinnen die Schüler/innen ein Jahr Verkürzung.
  • Fachabitur: Das Fachabitur kann zu einer starken Verkürzung der Dauer bis zum Abitur bedeuten, mitunter sogar bis auf unter ein Jahr. Es ebnet außerdem den Weg zum Abitur über die 13. Jahrgangsstufe der BOS oder FOS.
  • Berufsausbildung: Eine Berufsausbildung ist zwingende Voraussetzung für den Besuch eines Kollegs und erleichtert das Erlangen der Fachhochschulreife über den Weg der Fachoberschule, da der berufspraktische Teil dadurch entfällt.

Was kostet es, das Abitur nachzuholen?

Wenn man Schulabschlüsse nachholen möchte, ist dies naturgemäß mit Kosten verbunden. Selbst wenn man sich für eine kostenfreie Form der Abivorbereitung entscheidet (z. B. das Abendgymnasium in den meisten Bundesländern) kommen Kosten auf die Schüler/innen zu, beispielsweise für Schreib- und Schulmaterial, Lehrbücher, Fahrtkosten, Verpflegung usw. Noch härter trifft es Schüler/innen, die sich für eine kostenpflichtige Version der Prüfungsvorbereitung entscheiden. Je nach Methode bezahlen sie dann zusätzlich monatlich, quartals- oder semesterweise Teilnahmegebühren.

Karrieremöglichkeiten ohne das Abitur nachzuholen

Das Abitur öffnet Lernbegeisterten viele Wege in die große Welt der Weiterbildung und Karriere. Ist es aber gerade nicht möglich, das Abi nachzuholen, gibt es dennoch Ziele, die erreicht werden können. Berufstätige können die Hochschulzugangsberechtigung mitunter durch ihre berufliche Qualifikation erwerben, beispielsweise durch eine Meisterprüfung oder eine Berufserfahrung mit besonderer fachlicher Nähe zum Studienfach. So können sie ohne Abitur studieren.

Alternativ können sie eine Aufstiegs- oder Fachweiterbildung anstreben, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Abgesehen von den genannten Ausbildungsberufen, für die das Abitur zwingend notwendig ist, gibt es außerdem eine Vielzahl von Berufen, die man auch ohne allgemeine Hochschulreife erlernen und damit eine sehr gute Basis für das spätere Berufsleben legen kann.

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